Saturday, September 4, 2010

Die Farbe des Geldes

Gepostet von Lucy Lu am Oktober - 26 - 2009

hells_pleitegeier…oder der Steuern. Das Unwort des Jahres 2009 heisst »Finanzkrise«, oder »Krise«. Oder »Vertrauensbruch«. Denn die heiligen Schweizer Banken, von den Wall Street Juppies knallhart über den Tisch und in den Abgrund gezogen, erhielten Millionen helfender Schweizer Hände. Pardon Geldbeutel. Denn die Steuergelder der Bevölkerung stopften die Löcher der bis dahin hofierten und chauffierten Untouchables. Lohnerhöhungen stossen sich an der Nullrunde die Köpfe, während alles teuerer wird und der Arbeitsmarkt, bedingt durch noch mehr Stellensuchende, noch härter ist. Zwei dieser helfenden Hände gehörten Frau Schwendimann.

«Händ Sie das gläsä?!» Wilhelm Tell kläffte in der gleich hohen und schrillen Tonlage wie Frau Schwendimann. «Urplötzlich händs Milliarde Gwünn gmacht! Und wüssed Sie was?» Igor der Balkanspezialist schüttelt verneinend den Kopf, während er Brötchen für Frau Schwendimann eintütet. «Die müend nid emol Stüre zahle! Das isch dr Gipfel! E Frächheit! Das ischt ein richtiger Skandal!» Immer dann, wenn Frau Schwendimann einer Aussage mehr Gewicht verleihen wollte, kopierte sie Schweizer Politiker und Militärköpfe – sie sprach »Hochdoitsch«. «Findet Sie das nöd e riese Schweinerei? Sie chlauet Gäld vom eigene Volk!» Frau Schwendimanns Gesicht war mit roten Flecken übersät und sie zitterte. «Doch sicher,», antwortete Igor: «Jugoslawien wurde sogar vom eigenen König beklaut. Angeblich haute dieser eines Tages mit dem ganzen Gold und Geld des damaligen Serbischen Königreichs nach England ab. Der Flieger war dermassen schwer beladen, dass er kaum abheben konnte. So jedenfalls erzählen es unsere Grossväter und Alten.» «Jä und denn?» «Was dann? Nichts dann. Dann kam Tito. Und nach ihm die Sintflut. Und dann ein Scheisskrieg.» «Händ denn d Lüt nüt chönne mache?» «Kann das Schweizer Volk etwas dagegen machen? Mit Trillerpfeifen in Belgrad demonstrieren, Partys auf den Brücken feiern und diese vor den Nato-Bomben schützen, Gemüse pflanzen und Tiere füttern, hat man einen Bauernhof und kann sich selber versorgen. Das konnten wir machen. Gegen die Misere und den Hass der restlichen Welt hingegen sind wir machtlos. Ihr Schweizer demonstriert ja nicht einmal, höchstens die Bauern, oder ihr werft Stiefel nach einer Politikerin. Bringt das was?» Frau Schwendimann sackte zusammen. «Aber es isch doch Himmel Hergott nomahl e risigi Schweinerei und Ungerächtigkeit so öppis! Lueget Sie mich und anderi Räntnär mol ah, wo keini Manager gsih sind!» Frau Schwendimann hatte Recht, denn das Land Schweiz mit seinem laut gepriesenen Sozialsystem und Gut-Menschen-Syndrom, Europas Nest in luftiger Höhe, auf eigenem Baum inmitten eines Waldes und doch autonom, barg so seine Tücken. Trotz vieler Auffangnetze für Nicht-Manager-Banker-Grossverdiener-Abzocker-und-Reiche, befanden sich Löcher in den Netzen, die den freien Fall für Kleinverdiener und Rentner begünstigten. «Müssen Sie denn mit Ihrer kleinen Rente auch Steuern zahlen?»

sparschwein

«Jo sicher,», schnaufte Frau Schwendimann: «läbät Sie uf em Mond? Das isch mini Pflicht als Schwiezerin! Ich zahle au Stüre! Aber im Gegesatz zu denä Bänker, wo au mis Stürgäld gfrässä händ, dörf ich mich nöd absichere oder Resärvä ahlegge! Sie wüssed doch au, dass mir normale Menschä nöd die glieche Rächtä händ wie säb anderi!» Igor kratzte sich am Bauch: «Aha. Soviel zu Ihrem Rechtsystem und Demokratie.» «Was het denne das einte mit em andere z due?» «Viel. Aber dafür müssen die Schweizer nicht nur auf den Tisch hauen, sondern sich gegen diese Ungerechtigkeit einsetzen. Haben Sie keinen Anwalt?» Frau Schwendimann gackerte los: «En Aawalt! Pah! Wo mer 300 Stutz us em Portmonä züchet, bevor dass ich au nur uf sin blöde Stuehl ghocket bin und dänn nummä blöd schnörret? Und nüd macht? Will ja die ganze Lüt wonni söt verchlage, sini Kumpels sind, mit denä er goht go golfe? Sie sind mir jo au en luschtige, Sie! Und wen wot ich überhaupt verklage? Mini Gmeind? Dr Kanton? Oder drBund?» Igor fütterte Wilhelm Tell und antwortete: «Das ist eben das Schweizerische Kantönligeist-Denken, verstehen Sie? Zum Glück waren wir auf dem Balkan davor verschont! Stellen Sie sich mal vor, nachdem sich jede Republik von der anderen abgespalten hat, hätten noch die jugoslawischen Kanton eigene Fahnen gezeichnet, neue Währungen kreiert und nach einem eigenen Staat gebrüllt! Was wäre geschehen? Eine Ansammlung von Zwergstaaten, geführt von Zwergen, die, wenn die Sonne abends tief steht, doch noch grosse Schatten werfen.»

Author: Lucy Lu

  • Share/Bookmark

Kommentar