Wednesday, September 8, 2010

Archive für Oktober, 2009

Die Farbe des Geldes

Posted by Lucy Lu On Oktober - 26 - 2009

hells_pleitegeier…oder der Steuern. Das Unwort des Jahres 2009 heisst »Finanzkrise«, oder »Krise«. Oder »Vertrauensbruch«. Denn die heiligen Schweizer Banken, von den Wall Street Juppies knallhart über den Tisch und in den Abgrund gezogen, erhielten Millionen helfender Schweizer Hände. Pardon Geldbeutel. Denn die Steuergelder der Bevölkerung stopften die Löcher der bis dahin hofierten und chauffierten Untouchables. Lohnerhöhungen stossen sich an der Nullrunde die Köpfe, während alles teuerer wird und der Arbeitsmarkt, bedingt durch noch mehr Stellensuchende, noch härter ist. Zwei dieser helfenden Hände gehörten Frau Schwendimann.

«Händ Sie das gläsä?!» Wilhelm Tell kläffte in der gleich hohen und schrillen Tonlage wie Frau Schwendimann. «Urplötzlich händs Milliarde Gwünn gmacht! Und wüssed Sie was?» Igor der Balkanspezialist schüttelt verneinend den Kopf, während er Brötchen für Frau Schwendimann eintütet. «Die müend nid emol Stüre zahle! Das isch dr Gipfel! E Frächheit! Das ischt ein richtiger Skandal!» Immer dann, wenn Frau Schwendimann einer Aussage mehr Gewicht verleihen wollte, kopierte sie Schweizer Politiker und Militärköpfe – sie sprach »Hochdoitsch«. «Findet Sie das nöd e riese Schweinerei? Sie chlauet Gäld vom eigene Volk!» Frau Schwendimanns Gesicht war mit roten Flecken übersät und sie zitterte. «Doch sicher,», antwortete Igor: «Jugoslawien wurde sogar vom eigenen König beklaut. Angeblich haute dieser eines Tages mit dem ganzen Gold und Geld des damaligen Serbischen Königreichs nach England ab. Der Flieger war dermassen schwer beladen, dass er kaum abheben konnte. So jedenfalls erzählen es unsere Grossväter und Alten.» «Jä und denn?» «Was dann? Nichts dann. Dann kam Tito. Und nach ihm die Sintflut. Und dann ein Scheisskrieg.» «Händ denn d Lüt nüt chönne mache?» «Kann das Schweizer Volk etwas dagegen machen? Mit Trillerpfeifen in Belgrad demonstrieren, Partys auf den Brücken feiern und diese vor den Nato-Bomben schützen, Gemüse pflanzen und Tiere füttern, hat man einen Bauernhof und kann sich selber versorgen. Das konnten wir machen. Gegen die Misere und den Hass der restlichen Welt hingegen sind wir machtlos. Ihr Schweizer demonstriert ja nicht einmal, höchstens die Bauern, oder ihr werft Stiefel nach einer Politikerin. Bringt das was?» Frau Schwendimann sackte zusammen. «Aber es isch doch Himmel Hergott nomahl e risigi Schweinerei und Ungerächtigkeit so öppis! Lueget Sie mich und anderi Räntnär mol ah, wo keini Manager gsih sind!» Frau Schwendimann hatte Recht, denn das Land Schweiz mit seinem laut gepriesenen Sozialsystem und Gut-Menschen-Syndrom, Europas Nest in luftiger Höhe, auf eigenem Baum inmitten eines Waldes und doch autonom, barg so seine Tücken. Trotz vieler Auffangnetze für Nicht-Manager-Banker-Grossverdiener-Abzocker-und-Reiche, befanden sich Löcher in den Netzen, die den freien Fall für Kleinverdiener und Rentner begünstigten. «Müssen Sie denn mit Ihrer kleinen Rente auch Steuern zahlen?»

sparschwein

«Jo sicher,», schnaufte Frau Schwendimann: «läbät Sie uf em Mond? Das isch mini Pflicht als Schwiezerin! Ich zahle au Stüre! Aber im Gegesatz zu denä Bänker, wo au mis Stürgäld gfrässä händ, dörf ich mich nöd absichere oder Resärvä ahlegge! Sie wüssed doch au, dass mir normale Menschä nöd die glieche Rächtä händ wie säb anderi!» Igor kratzte sich am Bauch: «Aha. Soviel zu Ihrem Rechtsystem und Demokratie.» «Was het denne das einte mit em andere z due?» «Viel. Aber dafür müssen die Schweizer nicht nur auf den Tisch hauen, sondern sich gegen diese Ungerechtigkeit einsetzen. Haben Sie keinen Anwalt?» Frau Schwendimann gackerte los: «En Aawalt! Pah! Wo mer 300 Stutz us em Portmonä züchet, bevor dass ich au nur uf sin blöde Stuehl ghocket bin und dänn nummä blöd schnörret? Und nüd macht? Will ja die ganze Lüt wonni söt verchlage, sini Kumpels sind, mit denä er goht go golfe? Sie sind mir jo au en luschtige, Sie! Und wen wot ich überhaupt verklage? Mini Gmeind? Dr Kanton? Oder drBund?» Igor fütterte Wilhelm Tell und antwortete: «Das ist eben das Schweizerische Kantönligeist-Denken, verstehen Sie? Zum Glück waren wir auf dem Balkan davor verschont! Stellen Sie sich mal vor, nachdem sich jede Republik von der anderen abgespalten hat, hätten noch die jugoslawischen Kanton eigene Fahnen gezeichnet, neue Währungen kreiert und nach einem eigenen Staat gebrüllt! Was wäre geschehen? Eine Ansammlung von Zwergstaaten, geführt von Zwergen, die, wenn die Sonne abends tief steht, doch noch grosse Schatten werfen.»

Author: Lucy Lu

Willkommen in Lucy Lu’s Secret Garden

Posted by Lucy Lu On Oktober - 26 - 2009

LucyLu

Lucy Lu stellt sich und ihren Garten vor.

Good Morning world…Mau!

Posted by Lucy Lu On Oktober - 26 - 2009

~4~ Liebesgeflüster…im Namen der Ehre

Posted by Lucy Lu On Oktober - 23 - 2009

hells_cherryGiovanni der Don Siciliano, seines Zeichens Nicht-Italiener jedoch stolzer Sizilianer, heulte seinen süditalienischen Zitronenbäumen nach und guckte jedem Rock hinterher. «Weisste du, bei uns in Sitschilija, iste das Leben noch Leben, capisch? Nichte so eng und streng wie in diese komische Kaff!» «Was wänd Sie denn do? Hä? Und was isch mit dr Mafia? Und Ihrem komischä Präsident mit sinä gfärbtä Perrücke? Das isch ja en richtige Bock! Gumped uf jedes Wieb!» Mustafa tätschelte beruhigend Frau Schwendimanns Schulter und servierte Lokum. «Ma Signora Schwendimanne, bine ich wegen Amore ire gelandet und jetzte in diese Kanal stecken geblieben!» Giovanni der Don war wie alle seine Altersgenossen als zwanzigjähriger, braungebrannter Jüngling an den idyllischen Sandstränden des Parco dello Zingaro flaniert und hatte weibliche Touristinnen mit seinem Charme umgarnt. Bis er sie sah, zu ihrem Badetuch stolperte und die Sonnenbrand geplagte Touristin eroberte. Sandra. Verzückt lauschte Sandra dem Singsang ihres Verehrers und Nachkommen Cäsars und schmolz wie ein Gelato in der Sonne.

hells_italyKomplett in seinen Bann gezogen, verlängerte Sandra ihren Aufenthalt am Fusse des Ätna, tauchte kopfüber in den Schoss der italienischen Grossfamilie ein, verlobte sich mit Giovanni und kehrte Monate später mitsamt ihrem italienischen Lover, säckeweise Prosciuto, Olivenöl, getrockneten Tomaten und sizilianischen Leckerein in die Schweiz zurück. Bis die böse schweizerische Schweigermutter diese »amore stupendo« vergrätzte und Sandra ihren heissblütigen Don quasi vor dem Traualtar stehen liess. So jedenfalls beschrieb Giovanni seine unterdessen verflossene Shakespeare in Love Romanze. «Nichte Male meine italienische Mamma atte so eine Einfluss auf misch, wie diese Mamma-Hexe vone Sandra! Strega! Amore mio! Wase ich solle machen ohne sie? Porca miseria!» Frau Schwendimanns Version unterschied sich wesentlich von seiner, denn dieser nach hätte Giovanni der Don in der Schweiz sein wahres Gesicht gezeigt und sei, getrieben von seinem feurigen Temperament, das er nicht hatte zügeln können, der Vielweiberei erlegen.

Was natürlich in einem Örtchen wie Hells Kitchen nicht verborgen blieb und Sandra eines Tages die knallroten Kleckser auf seinem Hemd eindeutig als Lippenstiftflecke und nicht als Ketchup identifizierte, die zweifelsohne nicht aus ihrem Schminktäschchen stammten, da sie nicht so auffällige und knallige Farben wie die aufgedonnerten Ausländerinnen bevorzugte. «Und dänn het er no vo ihre verlanget, dass sie sich es Chopftuech ume bindet, so wie sini italienischi Grossmueter! Schtellet Sie sich das mal vor! Das giht’s doch nöd! Die sind ja no schlimmer als d Dürke!» Igor der Balkanspezialist hingegen sah gemäss seiner serbischen Macho-Mentalität in Sandy die Ausgeburt des Bösen und witterte eine Verschwörung, Intrige sowie einen hinterlistigen Tritt in Giovanns Hintern, weil Sandra garantiert schon länger mehrere Eisen im Feuer geschmolzen hätte, um den winselnden Verflossenen wieder zurück nach Bella Italia zu spedieren.

hells_serbiaSo wie alle Frauen das taten und für das Scheitern einer Beziehung verantwortlich waren. «Was meint ihr denn, warum wir serbischen Männer auf unseren Hosen bestehen? Wir sind doch nicht blöd! Erlaubst du einer Frau ein einziges Mal, auch nur Hotpants anzuziehen, hast du gnadenlos verloren! Sie wird dich auf alle Ewigkeiten zermürben, dein Konto plündern und dir den ganzes Hab und Gut enteignen. Also muss man Weiber an einer sehr, sehr kurzen Leine halten!» Was Igor in seinem Plädoyer ausser Acht gelassen hatte, war der Umstand, dass er gerade deswegen ein Single war und auf Ewigkeiten bleiben würde und dass Typen wie er, das (un-) glückliche Händchen für genau diese Kaste Frauen hatten. Die betrogene und inzwischen vom Feuer der Sonne geheilte Sandra warf Giovanni den Liebesgott hochkantig aus der frisch bezogenen Wohnung und flirtete unter dem Motto »was Du kannst, kann ich noch besser« mit den Bauarbeitern vor ihrem Haus, was Igor in seiner Theorie bestätigte und während Giovanni jammernd oberhalb des »Kral Kebabs« eine Notunterkunft fand und Abends die weiblichen Gäste bezirte. «Wase solle ich sonste machen in diese kalte Land? Aber isch kanne trotzedeme diese Frauen nischt verstehen!» Igor und Mustafa nickten zustimmend und ergänzten, dass es im Grunde genommen piepegal sei, woher man(n) stammte, aber eine Frau zu verstehen ungefähr dem Umstand gleichkäme, aus dem Globus ein Polygon formen zu wollen und eine friedliche Welt daraus zu machen. Ein Ding der Unmöglichkeit. «Frag mich, mein Freund,», bestätigte Mustafa: «eine Frau, vier Töchter und nur die halbherzige Unterstützung eines Sohnes, den sie aber auch schon unter ihrer Fuchtel haben! Kommt, wir trinken Raki. Frau Schwendimann, stossen Sie mit uns an, das fördert die Durchblutung, ist ein altes türkisches Hausrezept.» Pröschtli.

Das ist Hells Kitchen. Oder ein Teil davon. Natürlich wimmelt es in Teufels Küche von weiteren Nachbarn, Pendlern, Grenzgängern, Besuchern und Schaulustigen, aber Mustafas Kebab-Tempel und Igors Balkan-Palast bilden sozusagen die Plattform der Geschehnisse rund um und in Hells Kitchen. 298 Meter über Meer, eingekreist von Wäldern, blökenden Schafen und Umfahrungsstrassen mit Verkehrskollaps.

Author: Lucy Lu